Ravenna - Paradebeispiel der spätantiken Kunst

Als wohl schönste Kirche, vielleicht als das schönste Gebäude der spätantiken Kunst überhaupt kann das Sakralgebäude von Ravenna gelten. Ravenna erlangte ab dem 5. Jahrhundert nach Christus eine größere Bedeutung als Rom. Der ostgotische Eroberer Roms, Theoderich, hatte seinen Hof nach Ravenna verlegt. Hier entwickelte sich vor allen Dingen die Mosaikkunst noch einmal auf beeindruckende Art und Weise weiter.

Mosaiken waren das künstlerische Ausdrucksmittel in Ravenna. Ob Herrscherporträts oder Biblische Szenen - alles wurde mit Hilfe von Mosaiken dargestellt. Die Ausdrucksmöglichkeiten, die mit einem Mosaik gegeben sind, wurden erst zu diesem Zeitpunkt voll ausgeschöpft. Galla Placidia war die Tochter des Theodosius. Ihr Mausoleum ist bis heute erhalten. Und mit ihm all die prachtvollen Mosaiken im Inneren.

Doch das beeindruckendste Bauwerk in Ravenna ist die Kirche san Vitale. Schon ihre achteckige Architektur ist alles andere als Standard. So fiel die Kirche neben ihren konventionellen "Schwestern" ins Auge. Das Innere der Kirche ist jedoch von fast paradiesischer Schönheit. Goldene Mosaiksteine funkeln mit blauen und grünen Steinen sowie mit Purpur und Weiß um die Wette. Ganz oben im Deckengewölbe befindet sich das Lamm Gottes. Um es herum wird ein Garten gezeigt, der seinesgleichen sucht.

Erstmals wird in dieser Zeit auch die Heilige Maria dargestellt. Lange Zeit stand sie nur als Nebenfigur der christlichen Heilsgeschichte da, die in der Bibel wenig Erwähnung findet. Doch das Volk erkor sie zur Trostspenderin und "ihrer" ganz persönlichen Heiligen aus. So kam es, dass sowohl auf den Mosaiken Westroms als auch auf den oströmischen Ikonenmalereien sehr oft Maria mit dem Jesuskind zu sehen ist. Nachdem auf den Konzilen von Nicäa 315 und von Ephesus 431 nach Christus ihre Gottesmutterschaft definiert wurde, stand der Darstellung nichts mehr im Wege.